Im Test: LANCOM 1906VA-4G

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Koppelfeld
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Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von Koppelfeld » 05 Mai 2018, 23:18

Ich bin erst relativ spät auf LANCOM gekommen, weil mich das silberne, aufgeschäumte Kunststoffgehäuse stets abgeschreckt hat. Gut, den Häßlichkeitsrekord hält seit Jahrzehnten die Firma AVM mit ihren zäpfchenförmigen Plasteflundern (eigentlich logisch: sind ja schließlich für den Arsch), aber für mich ist entscheidend: Pro Kelvin Temperaturdifferenz zwischen innen und außen kann ein Gehäuse aus lackiertem Stahlblech etwa 50 W/m² an Wärme abführen, eines aus Plastik schafft gerade einmal 0,05. Gut, ohne Boltzmann resp. Boltzmann-Stefan ist das niemals korrekt beschrieben, aber als grobe Näherung reicht es. Es juckt mich richtig in den Fingern, einmal etwas darüber zu schreiben. Es würde aber seeeeeeehr lang.
Klar, es gibt immer Vollidioten, die sagen, "Meine Fritzbox wird ja gar nicht warm!", genauso, wie der typische Golffahrer regelmäßig den überschüssigen Kraftstoff aus dem Tank in einen Reservekanister abfüllen muß. Dumm bloß: Je lauwärmer das Gehäuse, desto heißer geht es im Inneren zu.
Zehn Kelvin Temperaturanstieg: Das geht einher mit einer Halbierung der Lebenszeit der Komponenten.
Die Bauform des 19xx birgt also bereits folgende Vorteile:
- Thermisch gesund, s.o..
- daher lüfterlos und wartungsfrei
- Anschlüsse von vorn
- 19"-Rackbauweise (man braucht also keine Extra-Rackklammern mehr
- eingebautes Netzteil statt Steckernetzteil (in Racks mit PDU sowieso nicht verbaubar)

Die Breite ermöglicht endlich:
- Einen GBIC-Slot,
- eine ordentliche Anzahl LAN-PORTS (die Bezeichnung WAN1/WAN2 ist irreführend),
- eine ordentliche Anzahl Analogports.

Zwei SIM-Karten sind steckbar, leider gibt es immer noch keine GSM-Engine, die auch Mobilgespräche annehmen und qua VCM vermitteln kann.

Zwei ISDN-Anschlüsse sind ein bißchen wenig, zumal nur einer als TE geschaltet werden kann. Sehr dumm, man möchte mit so einem Router doch gerade alte ISDN-Anschlüsse aufnehmen. Nur ausgemachte Pfuscher dagegen "konvertieren" SIP nach ISDN. Und für die gibt es die Plasteboxen.

Vier Analoganschlüsse dagegen sind erfreulich großzügig; eine typische Firma hat zwei Faxe, eine Frankiermaschine und einen Stromzähler, jeweils mit einem Analogmodem drin. Da kann man sich einen zusätzlichen Adapter sparen.
Leider haben die Analogports keinen konfigurierbaren Dialplan; beispielsweise bei Türsprechstellen hätte ich es gern, wenn der Adapter nach n Digits gleich loswählen wurde, anstatt eine dreisekündige Digit-Collection abzuwarten. Ich würde auch gerne pro Port die Dejitterbuffer-Einstellungen anpassen können.

Zwei VDSL-Modems sind großzügig, in Verbindung mit dem 3G/4G - Modul ist die Hochverfügbarkeit quasi schon eingebaut.

Überzeugend auch die inneren Werte:
- leistungsfähige CPU, in etwa gleichauf mit dem 7100+
- die VDSL-Modems nutzen einen dedizierten Serializer/Deserializer zum SoC
- viel Hauptspeicher
- KEIN x86
- 50 VPN-Tunnel
- 25 VoIP-Teilnehmer
Insgesamt also kein Arschbetrüger und sein Geld wert.

Als Router und VPN-Konzentrator: Erstklassig!
1781VA an Unitymedia-Kabelaschluß mit nominell 250 MBit/s: Erreichbar waren 170 MBit/s.
der 1906 VA erreichte auf Anhieb 220 MBit/s.


Fast.

Und jetzt die Trauergeschichten, die das Gerät unbenutzbar machen:

Fangen wir mit den Peinlichkeiten an:
Der Router bruacht kein "blaues Licht". Sowas wird im GOLF verbaut und macht mittelmäßige User glücklich. Mir ist es peinlich, einem Kunden so etwas ins Rack zu hängen. Gottseidank ist dieses "Feature" abschaltbar. Was die Werbung anbetrifft: Gruselig. Ein echter Verkaufsverhinderer.

Ganz doof: Die "Wizards" sind wie immer unbrachbar - aber das ist nur gerecht: Auch Dummheit muß bestraft werden. Wenn man aber ein zweites DSL-Interface konfigurieren muß (resp. den Zugang über dieses), dann ist man geschmiert, weil man nicht weiß, was man unter "DSL-Ports" eintragen muß. Also, da wäre eine "Combo-Box" im Webinterface schon hilfreich gewesen.

Was aber nun die SIM-Slots betrifft: Der passende Schlitz in der Frontblende ist etwa um 0,8 mm versetzt, wenn man eine SIM einführt, landet die im Gehäuse. Das ich natürlich, mit Garantieverlust, aufschrauben mußte. Schlimmer noch: Wenn die SIM nicht ganz plan ist (beispielsweise durch Vrwendung eines SIM-Adapters), dann kommt sie nicht mehr heraus. Ziehen mit Gewalt führt dazu, daß zwei ausgestanzte Federchen umknicken und aus dem Slot herausgucken. Welcher Idiot hat da wieder an den ENTSCHEIDENDEN 15 Cent gespart ??? Naja, die Disco-LED-Leiste war teuer ...
Gottseidank gibt es noch eine zweiten Slot, und wenn man die SIM dort unter einem Winkel von 45° eingibt, dann landet sie auch im Kartenleser. Und wer will die schon wechseln ?

Leider ist der Voice-Call-Manager kaputt und völlig unbrauchbar: Der Vorgänger, ein 1781VA mit VCM-Option, "sammelte" ISDN, Deutsche Telephon Standard (über externes Kabelmodem) und Telephonie (wegen Verbohrtheit der Telekom über VDSL), um diese "SIP-Leitungen" qua VPN an einem anderen Standort zur Verfügung zu stellen. Unter 9.24 klappte das ganz ausgezeichnet - aber seit dem Horrorrelease 10.x bindet der VCM ausgehende Verbindungen nicht mehr an das passende Interface.
Hierzu hatte User Jirka einen prima Tip, nämlich qua Routing-Tag eine Extra-Route zur Gegenstelle anzulegen -- bloß: Das klappt nicht bei "SIP-User"n, weil man dort, im Gegensatz zu "Leitungen", kein Routing-Tag vergeben kann.


Heißt für mich leider:

Warten, bis der 9600+ kommt. Und zwar hoffentlich MIT VCM-Option.
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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von alf29 » 05 Mai 2018, 23:48

N'Abend,
Der Router bruacht kein "blaues Licht". Sowas wird im GOLF verbaut und macht mittelmäßige User glücklich.
Nicht nur im Golf, sondern wohl auch in gewissen Nobel-Limousinen aus Untertürkheim. Gerüchte besagen, daß die Inspiration aus dieser Ecke gekommen sein soll...
Mir ist es peinlich, einem Kunden so etwas ins Rack zu hängen. Gottseidank ist dieses "Feature" abschaltbar.
Dann wird es Dich ja freuen, daß der 7100/9100-Nachfolger so etwas auch bekommen wird ;-) Ich fand diese Leiste auch relativ sinnfrei, als ich meinen ersten 1900er bekommen hatte und habe mir für die 10.30 dann erstmal eine Funktion dazuprogrammiert, die die CPU-Last auf der Leiste durch einen Blau/Rot-Farbwechsel anzeigt. Auch nicht unbedingt prickelnd, aber immerhin ansatzweise nützlich...

Viele Grüße

Alfred
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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von Jirka » 06 Mai 2018, 10:14

Hallo Koppelfeld,
Koppelfeld hat geschrieben:Leider ist der Voice-Call-Manager kaputt und völlig unbrauchbar: Der Vorgänger, ein 1781VA mit VCM-Option, "sammelte" ISDN, Deutsche Telephon Standard (über externes Kabelmodem) und Telephonie (wegen Verbohrtheit der Telekom über VDSL), um diese "SIP-Leitungen" qua VPN an einem anderen Standort zur Verfügung zu stellen. Unter 9.24 klappte das ganz ausgezeichnet - aber seit dem Horrorrelease 10.x bindet der VCM ausgehende Verbindungen nicht mehr an das passende Interface.
Hierzu hatte User Jirka einen prima Tip, nämlich qua Routing-Tag eine Extra-Route zur Gegenstelle anzulegen -- bloß: Das klappt nicht bei "SIP-User"n, weil man dort, im Gegensatz zu "Leitungen", kein Routing-Tag vergeben kann.
Heißt für mich leider:
Warten, bis der 9600+ kommt. Und zwar hoffentlich MIT VCM-Option.
dafür habe ich inzwischen auch Workarounds, die ich hier aber nicht veröffentlichen werde um einen gewissen Druck auszuüben, dass dieser Bug, den ich ja auch hier (Link) gemeldet habe, mal zu fixen. Wer meine Postings genau liest, kommt auch selber drauf, der Wink mit dem Zaunpfahl ist mehr als einmal erwähnt. Klar gibt es geringfügige optische Nebenwirkungen, mit denen man aber leben können sollte. Und auch der Zeitaufwand ist je nach Konfig nicht unter 10 Min., was mich derzeit davon abhält noch 20 weitere Router auf die 10.12 umzustellen... Positiver Nebeneffekt ist, dass die Konsole dann auch im "richtigen" LAN hängt und man nicht immer zusätzliche Optionen bei einigen Befehlen angeben muss. Bei Neuinstallationen mit der 10.12 berücksichtige ich das möglichst gleich, selbst wenn da gar kein VCM läuft, manchmal kommt der dann ja doch noch...

Hallo Alfred,

hört sich auf alle Fälle interessant an. Nur 10.30? Das hieße ja umgerechnet noch 2 Jahre... (na ja, etwas übertrieben, aber auf alle Fälle zu lange) Wenn wirklich jemand was davon haben soll, dannn wäre 10.20 angesagt... Wenn es überhaupt öffentlich wird, denn Du hast ja erstmal nur "mir dazuprogrammiert" geschrieben...
alf29 hat geschrieben:Nicht nur im Golf, sondern wohl auch in gewissen Nobel-Limousinen aus Untertürkheim. Gerüchte besagen, daß die Inspiration aus dieser Ecke gekommen sein soll...
...kann ich mir gut vorstellen, da gibt es ja den ein oder anderen, der da so ein Auto fährt. :)

Viele Grüße,
Jirka
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alf29
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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von alf29 » 06 Mai 2018, 10:56

Moin,
hört sich auf alle Fälle interessant an. Nur 10.30? Das hieße ja umgerechnet noch 2 Jahre... (na ja, etwas übertrieben, aber auf alle Fälle zu lange) Wenn wirklich jemand was davon haben soll, dannn wäre 10.20 angesagt...
Der Fachbegriff dafür lautet "Marsch durch die Instanzen" ;-) Vielleicht sieht's bis dahin auch etwas hübscher aus, bisher sind es nur fünf Stufen und es ruckelt ziemlich.
Wenn es überhaupt öffentlich wird, denn Du hast ja erstmal nur "mir dazuprogrammiert" geschrieben...
Es wird für jeden Nutzer zugänglich sein, der den Menüpunkt kennt, an dem solche "halboffiziellen" Features hängen.

Viele Grüße

Alfred
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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von 5624 » 06 Mai 2018, 13:14

Ich hab "nur" einen 1900EF auf dem Schreibtisch liegen, aber für die Leiste hab ich mir schon einen sinnvollen Einsatzzweck gesucht. Die Farbe kann man ja in RGB frei ansteuern. Da ja an den restlichen LEDs etwas gespart wurde und die Verbliebenen im Vergleich zu früher sehr unscheinbar sind, werde ich mir über die Aktionstabelle einfach den Verbindungsstatus darüber anzeigen lassen. (rot für offline, orange für online, aber VPN fehlt, grün für online mit VPN).
Und über die LED-Testfunktion müsste man es dann sogar blinken lassen können.

Das mit dem internen Netzteil ist so eine Sache. Ja, man hat ein Teil weniger und ja, man kann den Router direkt in die PDU stecken. Aber wenn das interne Netzteil kaputt geht, muss man den ganzen Router tauschen. Mit den externen Netzteilen hat man das Problem nicht. Als schnelle Lösung kann man erstmal ein 12V Netzteil im Geiz-/Blödmarkt kaufen, fehlt nur die Bajonett-Sicherung. Und von den Netzteilen hab ich aus dem WLAN-Rollout noch kistenweise rumliegen, so dass jede Filiale bereits ein Ersatznetzteil hat und noch drei haben könnte, wenn sie wollten. Gestorben ist von den neuen Netzteilen aber bisher keins.
LCS NC/WLAN

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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von Koppelfeld » 06 Mai 2018, 14:42

Jirka hat geschrieben: dafür habe ich inzwischen auch Workarounds, die ich hier aber nicht veröffentlichen werde um einen gewissen Druck auszuüben, dass dieser Bug, den ich ja auch hier (Link) gemeldet habe, mal zu fixen. Wer meine Postings genau liest, kommt auch selber drauf, der Wink mit dem Zaunpfahl ist mehr als einmal erwähnt. Klar gibt es geringfügige optische Nebenwirkungen
Mich laust der Affe. Das Alphabet ist also die Metrik dafür, welche Absender-IP verwendet wird.
Oh, well.
mit denen man aber leben können sollte. Und auch der Zeitaufwand ist je nach Konfig nicht unter 10 Min., was mich derzeit davon abhält noch 20 weitere Router auf die 10.12 umzustellen... Positiver Nebeneffekt ist, dass die Konsole dann auch im "richtigen" LAN hängt
Ja, es klappt.

Fragt sich nur, wie lange ?

Wie sah es unter 9.24 aus ? Da hat es doch prima funktioniert ! Schick' mir doch 'mal den LCOS-Quellcode per Mail.

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fildercom
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Re: Im Test: LANCOM 1906VA-4G

Beitrag von fildercom » 06 Mai 2018, 14:43

Koppelfeld hat geschrieben:(...) Gut, den Häßlichkeitsrekord hält seit Jahrzehnten die Firma AVM mit ihren zäpfchenförmigen Plasteflundern (eigentlich logisch: sind ja schließlich für den Arsch), (...)
Meinst du diese Dinger im Spielzeugdosen-Design? Ich frage mich ernsthaft, ob diese Kisten überhaupt irgend etwas können. Seit Jahren weigere ich mich beharrlich, diese Dinger zu konfigurieren, aber kürzlich habe ich mich bei Verwandtschaft doch überreden lassen. Das Web-Interface ist an Unübersichtlichkeit kaum zu überbieten, da hat selbst ein L-11/IL-11 eine intuitivere Web-Oberfläche, obwohl diese Geräte schon über 15 Jahre alt sind.

Und was mich am meisten schockiert hat:
Manche Änderungen an der Konfiguration kann diese SCHROTT!Box nicht einmal "on-the-fly" durchführen, sondern braucht dafür einen Neustart. Das ist nun wirklich an Dreistigkeit des Herstellers kaum zu überbieten. Ich frage mich, warum die Leute dieses Zeug überhaupt kaufen ... :G)
Router: 2 x LANCOM 1781VA (VDSL 100 Mbit/s & ADSL2+ 16 Mbit/s); LANCOM 1781EF (LANCAPI-Srv);
Wireless: LANCOM WLC-4006+; 4 x L-452agn dual Wireless;
Switches: 2 x LANCOM GS-2326; 1 x LANCOM GS-2310P; 3 x LANCOM GS-1108; 2 x Juniper EX2300-C-12P

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