Verbindungsabbrüche im WLAN

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thommymail
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Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von thommymail »

Hallo,

ich habe das Problem das wir immer regelmäßig verbindungsabbrüche auf unseren Apple Geräten haben (auch in unmittelbarer Nähe z.B. Wohnzimmer). Besonders auffällig ist das wenn man z.B. von einem DVB-S2 Netzwerktunner streamt. Es bricht aber auch bei anderen Diensten ab.

Unsere Konfiguration: 2xLN 1700 (Wohnzimmer / Dachgeschoss) und 2xLN830acn (Garage / Keller) beide mit 2,4 & 5GHZ BandSteering.
Dazu ein 1781EF mit WLC Option.

Wie kann ich der Ursache für die Verbindungsabrüche am besten auf die Spur kommen???
Mir fehlt da im Moment der Ansatz.

Software AP's: 10.20.298
1781 WLC (9.24.0334)

Kann die Ursache der WLC sein, weil auf diesem keine FW 10.20 möglich ist???

Mit freundlichem Gruß

T. Dittrich
GrandDixence
Beiträge: 761
Registriert: 19 Aug 2014, 22:41

Re: Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von GrandDixence »

Ein erster Schritt wäre die Suche der Ursache für die Verbindungsabbrüche in den Log-Meldungen/Dateien (SYSLOG) der LANCOM-Geräte. Die Log-Meldungen sind auch unter LCOS-Menübaum/Status/WLAN/Log-Tabelle ersichtlich.

LCOS-Menübaum/Status/WLAN sollte allgemein nach Hinweise auf die Ursache der Verbindungsabbrüche durchsucht werden. Dann ist wohl auch eine Ausmessung des WLAN-Empfangs mit einer WLAN-Signalstärke-Mess-App sinnvoll. Unter Android ist die App WiFiAnalyzer von "VREM Software Development" empfehlenswert.

Achtung: Ein auf dem gleichen WLAN-Funkkanal sendender, fremder Wireless Access Point oder WLAN Repeater gilt als Störer. Dessen Signal ist ein Störsignal und muss entsprechend in die SNR- und Rauschpegel-Betrachtung einfliessen!

https://www.wintotal.de/tipp/wlan-kanal-aendern/

Je grösser die Bandbreite des verwendeten WLAN-Funkkanals, desto grösser ist die Anforderung an den minimalen SNR (Signal-to-Noise-Ratio). Bedingt durch das Wärmerauschen im Funkempfänger.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichweite_(Funktechnik)

https://de.wikipedia.org/wiki/Signal-Ra ... C3%A4ltnis

Mit einem grösseren SNR, kann eine effizientere Quadraturamplitudenmodulation (QAM) eingesetzt werden, was zu einer besseren "Spektralen Effizienz" führt. => Spürt der WLAN-Benutzer als "schnelles WLAN".
https://d2cpnw0u24fjm4.cloudfront.net/w ... usSNR2.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Quadratur ... modulation

Richtwerte
RSSI: > -60 dBm (Signalstärke des Nutzsignals, je näher bei 0, desto besser)
SNR: > 20 dB (Abstand zwischen Nutzsignal und Rausch-/Störsignal, je grösser der Wert, desto besser)
Rauschpegel: < -80 dBm ("Signalstärke" des Rausch- oder Störsignals, je näher bei -100, desto besser)

RSSI ist mit einer WLAN-Signalstärke-Mess-App ersichtlich.
SNR ist unter Extras > WLAN-Link-Test ersichtlich.
Der Rauschpegel ist unter LCOS-Menübaum/Status/WLAN/Radios ersichtlich.

Der Rauschpegel oder besser "Störsignalpegel" kann auch mit der Funktion "Spektral Scan" untersucht werden:

https://www.lancom-systems.de/docs/LCOS ... ionen.html

https://support.lancom-systems.com/know ... AN-Routern

Zum Lesen des Wasserfalldiagramms der Funktion "Spektral Scan" siehe unten stehender Beitrag vom 05.01.2019 und diesen Beitrag:
viewtopic.php?f=23&t=12741&p=68301

Ist der Dual-Band-Betrieb (2.4 GHz & 5 GHz) wirklich erforderlich? Wenn nein, Single-Band-Betrieb ("nur 2.4 GHz" oder "nur 5 GHz"-Betrieb) einschalten. Wenn alle WLAN-Clients den WLAN-Betrieb im 5 GHz-Frequenzband unterstützen, sollte die Aussstrahlung eines WLAN-Funksignals im 2.4 GHz-Frequenzband abgeschaltet werden. Im 5 GHz-Frequenzband ist erfahrungsgemäss mit weniger Funkstörungen als im 2.4 GHz-Frequenzband zu rechnen.

Bei Richtfunk-WLAN (P2P) ist zusätzlich die Sichtverbindung, 1. Fresnelzone und die Ausrichtung der WLAN-Antennen zu prüfen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Fresnelzone

https://support.lancom-systems.com/know ... d=56164570

WLAN-Repeater welche das verstärkte WLAN-Funksignal auf dem gleichen WLAN-Funkkanal aussenden, wie das vom Wireless Access Point empfangene WLAN-Funksignal, sollten entfernt werden. Wenn ein WLAN-Repeater eingesetzt werden soll, dann muss es mindestens ein Crossband-Repeater sein:
https://avm.de/ratgeber/crossband-repea ... -funktion/

Noch besser ist es aber, wenn man auf den Einsatz von WLAN-Repeater komplett verzichtet und ein Mesh-Netzwerk bestehend aus mehreren Wireless Access Points installiert. Die Datenübertragung erfolgt ab dem Wireless Access Point ausschliesslich mit Ethernet-Netzwerkkabel.
https://www.heise.de/mac-and-i/artikel/ ... 52384.html
Zuletzt geändert von GrandDixence am 18 Jan 2021, 20:01, insgesamt 19-mal geändert.
thommymail
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Re: Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von thommymail »

Hi,

ich habe mal drei AP's auf nur 5GHz umgestellt, der AP im Keller muss wegen dem WLan Modul in der Therme auf 2,4GHz bleiben.
Auf den ersten Blick hat sich das Verhalten schon verbessert. Jetzt muss mal der Langzeittest zeigen ob es so bleibt.

Gruß
Thomas
GrandDixence
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Re: Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von GrandDixence »

Es gibt auf dem Markt (offenbar legale) WLAN-Clients, bei welchen die Wetterradar-Erkennung (DFS) des Wireless Access Point ansprechen kann.

https://blogs.cisco.com/wireless/winnin ... i-spectrum

https://en.wikipedia.org/wiki/Terminal_ ... ther_Radar

Insbesondere Samsung Smartphones und auch iPhones lösen gerne die Wetterradar-Erkennung (DFS) des Wireless Access Points aus.

Wird auf dem aktuell verwendeten WLAN-Funkkanal vom Wireless Access Point ein Radarsignal erkannt, wechselt der Wireless Access Point den WLAN-Funkkanal. Dies macht er bei der erneuten Erkennung eines Radarsignals solange, bis er keinen Wetterradar-freien WLAN-Funkkanal mehr zur Verfügung hat. Der Zustand und die Meldungen der Radarsignal-Erkennung (DFS) sind unter:

LCOS-Menübaum > Status > WLAN > DFS-Statistiken
LCOS-Menübaum > Status > WLAN > Kanal-Scan-Resultate
LCOS-Menübaum > Status > WLAN > Log-Tabelle

ersichtlich.

Ich habe hier ein Samsung Galaxy A5 (2016), welches den LANCOM Wireless Access Point nach kurzer Zeit zum Einstellen des WLAN-Funkbetriebs bringt, da auf allen WLAN-Funkkanälen ein Wetterradar erkannt wurde. Und somit kein freier WLAN-Funkkanal mehr zum Ausstrahlen des WLAN-Funksignals zur Verfügung steht.

Sind im WLAN solche bekannte "DFS-Störer" eingebucht, oder ist mit solchen "DFS-Störern" zu rechnen (öffentliches WLAN => Public Hotspot), sollte der Wireless Access Point nur auf WLAN-Funkkänalen betrieben werden, die keine Wetterradarerkennung (DFS) benötigen.

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_WLAN_channels

In Mitteleuropa benötigen die WLAN-Funkkanäle im 2.4 GHz-Bereich keine Wetterradarerkennung (DFS). Die WLAN-Funkkanäle im 2.4 GHz-Bereich können sowohl innerhalb der Gebäudehülle (Indoor) wie auch ausserhalb der Gebäudehülle (Outdoor) von den WLAN-Clients und Wireless Access Points eingesetzt werden.

Wird das WLAN nur innerhalb der Gebäudehülle verwendet (Indoor), können auch einige WLAN-Funkkanäle im 5 GHz-Bereich ohne Wetterradarerkennung (DFS) betrieben werden. Dazu dürfen aber keine WLAN-Clients ausserhalb der Gebäudehülle verwendet werden (zum Beispiel: auf dem Balkon, auf der Gartenterasse etc.)!

Damit der LANCOM Wireless Access Point die WLAN-Funkkanäle im 5 GHz-Bereich ohne Wetterradarerkennung (DFS) betreibt, muss LCOS entsprechend konfiguriert werden:

Code: Alles auswählen

LCOS-Menübaum > Setup > Schnittstellen > Radio-Einstellungen > Nur-Indoor-Betrieb
Ja


Ausführliche Auskunft zu den ohne DFS verwendbaren WLAN-Funkkanäle und den erforderlichen LCOS-Konfigurationsparameter gibt:

Extras > Show Befehl ausführen
Parameter: wlan
GrandDixence
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Re: Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von GrandDixence »

Auch die Antennen(-kabel-)anschlüsse könnten defekt sein. Siehe dazu das informative Video zum Mobilfunk (35C3 - Die verborgene Seite des Mobilfunks):

https://www.youtube.com/watch?v=CSZWTaTu9As

https://media.ccc.de/v/35c3-9407-die_ve ... mobilfunks

ab der 40. Minute.

Für die Suche eines WLAN-Störers auf der Luftschnittstelle siehe das oben genannte Video ab der 38. Minute. Für das Lesen des Wasserfalldiagramms (von der Funktion "Spektral Scan") siehe das oben genannte Video ab der 29. Minute.

Alternativ zur Funktion "Spectral Scan" der LANCOM Wireless Access Points kann auch ein SDR eingesetzt werden. Zum Beispiel PlutoSDR (ADALM-PLUTO => erhältlich bei Mouser) mit dem Windows-Programm SDR#.

https://www.analog.com/media/en/news-ma ... hlight.pdf

https://www.analog.com/en/design-center ... pluto.html

https://wiki.analog.com/university/tool ... s/firmware

https://archive.fosdem.org/2018/schedul ... /plutosdr/

https://www.rtl-sdr.com/sdrsharp-users-guide/

https://www.rtl-sdr.com/plutosdr-quickstart-guide/

https://wiki.analog.com/university/tool ... ws_drivers

Weiter sollte auch ein Augenmerk auf die "Modem-Last" geworfen werden. Die aktuelle Modem-Last ist unter:

LCOS-Menübaum/Status/WLAN/WLAN-Parameter/Modem-Last

ersichtlich. Eine Modem-Last > 25 % ist bedenklich:
viewtopic.php?f=35&t=13637&p=73778&hili ... %25#p73778

Zu den SYSLOG-Meldungen " WLAN error: too many beacon transmit failures" siehe bitte:
viewtopic.php?f=41&t=14922&p=82794
Zuletzt geändert von GrandDixence am 18 Jan 2021, 20:23, insgesamt 3-mal geändert.
GrandDixence
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Re: Verbindungsabbrüche im WLAN

Beitrag von GrandDixence »

Ein Augenmerk ist auch auf die Ausrichtung der zum LANCOM-Gerät mitgelieferten WLAN- oder Mobilfunkantennen zu richten:

airlancer-extender-antennen-i-60ag-i-80 ... 13881.html

Je nach Funktechnologie und Anwendung ist die Empfangsdiversität (Rx-Diversity) durch Polarisationsdiversität (polarization diversity) oder Raumdiversität (space diversity) zu realisieren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Antennendiversit%C3%A4t

https://de.wikipedia.org/wiki/MIMO_(Nachrichtentechnik)

Gemäss dem LANCOM-Techpaper:
https://www.lancom-systems.de/fileadmin ... oor-DE.pdf
kommen folgende Empfangsdiversitäten im WLAN zum Einsatz:

802.11a: Polarisationsdiversität (nur eine Sendeantenne => SIMO)
802.11g: Polarisationsdiversität (nur eine Sendeantenne => SIMO)
802.11n/802.11ac Indoor: Raumdiversität (auch für Sendeantennen => MIMO)
802.11n/802.11ac Outdoor: Polarisationsdiversität (auch für Sendeantennen => MIMO)

Im Mobilfunk kommen folgende Empfangsdiversitäten zum Einsatz:

2G/GSM: Polarisationsdiversität (nur eine Sendeantenne => SIMO)
3G/UMTS: Polarisationsdiversität (nur eine Sendeantenne => SIMO; Ausnahme: HSPA+ ab 3GPP Release 7 unterstützt mehrere Sendeantennen => MIMO)
4G/LTE: Polarisationsdiversität (auch für Sendeantennen => MIMO)
5G: Polarisationsdiversität (auch für Sendeantennen => MIMO)

https://cdn.rohde-schwarz.com/pws/dl_do ... o_MIMO.pdf (siehe Kapitel 3.1.1)

Für Polarisationsdiversität sind kreuzpolarisierte Sende- und Empfangsantennen (+45° und -45°) einzusetzen.

http://www.kathrein.de/fileadmin/media/ ... echnik.pdf

=> Video zum Mobilfunk (35C3 - Die verborgene Seite des Mobilfunks) ab 15:30 min (siehe Beitrag vom 05.01.2019).

https://cdn.rohde-schwarz.com/pws/dl_do ... 18_11d.pdf (siehe Kapitel 5)

Die zum LANCOM-Gerät mitgelieferten WLAN- oder Mobilfunkantennen sind für Polarisationsdiversität als kreuzpolarisierte Antennen am SMA/RP-SMA-Anschluss zu montieren. Also "V"-förmig am LANCOM-Gerät zu montieren. Die Achse "1" der Antenne Nr. 1 muss einen Winkel von 90° zur Achse "1" der Antenne Nr. 2 aufweisen. Für die Achsendefinition siehe:
viewtopic.php?f=35&t=12452

So entstehen kreuzpolarisierte Sende- und Empangsantennen (+45° / -45°). Siehe auch die Abbildung "2-3. Antenna alignment" auf Seite 26 (PDF-Seite 43) im kostenlosen Buch "Getting Started with OpenBTS", First Edition:
http://openbts.org/site/wp-content/uplo ... tworks.pdf

Für Raumdiversität sind die zum LANCOM-Gerät mitgelieferten WLAN-Antennen "U"-förmig am LANCOM-Gerät zu montieren. Siehe auch die bereits genannte Abbildung.
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